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Vor 100 Jahren, 1895 gründeten für den Schießsport Begeisterte aus Neuenmarkt die 1. Schützengesellschaft, die spätere Schützengesellschaft 1. Es waren Zimmerstutzenschützen, die damit begannen, dem Schießsport seine gebührende Stellung in Neuenmarkt einzuräumen. Die Beteiligten waren Bahn- und Postbeamte, der Doktor und Apotheker, die Lehrer, Gendarmen, der Bürgermeister, Landwirte und alles was Rang und Namen hatte war zur damaligen Zeit dabei um den Schießsport zu fröhnen. Nach der Aussage unseres Informanten Georg Wagner setzte sich eine der ersten Vorstandschaften wie folgt zusammen:

 

  1. Vorstand Herr Zettner
  2. Vorstand Herr Wiesmann

      Kassier Herr Opel

 

Alle waren Bedienstete des Bahnhofs Neuenmarkt. Schützenmeister waren die Herren Beyer und Müller. Einige Jahre nach Gründung der Schützengesellschaft 1 wurde ein 2. Verein, die Schützengesellschaft II ins Leben gerufen. Die Mitglieder dieser Vereinigung waren zum Beispiel Lokführer, Rangiermeister usw. Nach Rufschreibung unseres Informanten müsste der

 

  1. Vorstand Herr Hugel (Oberrangiermeister)
  2. Vorstand Herr Müller Andreas (Oberlokführer)

 

gewesen sein. Weitere Personen der Vorstandschaft sind nicht mehr bekannt. Im Volksmund nannte man die Schützen der Schützengesellschaft 1 die großen - und die der Schützengesellschaft II die kleinen Schützen. Unser Informant Georg Wagner weiß auch zu berichten, dass sein Vater Karl bei der Schützengesellschaft Wirsberg Mitglied war, denn das Scharfschießen war ja von großem Interesse und wurde hier bereits betrieben. Weiter wurde berichtet, dass bereits 1902/1903 Scharfschießen auch in Himmelkron und Marktschorgast abgehalten wurden. Dieser Umstand beflügelte die Schützen um Karl Wagner, Karl und Hans Heyert und deren Vater Andreas Heyert, von der Schützengesellschaft 11, diese Disziplin auch in Neuenmarkt zu ermöglichen. Herr Karl Wagner sprach deshalb bei dem damaligen Bürgermeister Herrn Hollweg wegen der Errichtung eines Scharfschießstandes vor. Weiteren Gesprächen zwischen dem Bürgermeister und dem Vorstand der Bahnmeisterei folgte eine abschließende Begehung, des ins Auge gefassten Geländes, der alten Strecke nach Bayreuth, die man für geeignet hielt. Bei dieser Besichtigung waren, nach Aussage unseres Informanten mehrere Herren der Betriebs- und Bauinspektion Hof anwesend. Dabei kam man zu folgendem leider negativen Ergebnis, dass das Vorhaben 1. aus sicherheitstechnischen Gründen und 2. aus finanziellen Gründen nicht durchführbar war. Der Schießbetrieb in der folgenden Zeit, bei der Schützengesellschaft II, wurde im Saal der Gastwirtschaft Köhler abgehalten. Ihre Schießhalle hatten diese Schützen mit Erlaubnis der Gemeinde auf dem Gemeinde-Anger aufgestellt. Über den Schießbetrieb der Schützengesellschaft I ist keine besondere Aussage gemacht. Nach Versetzung des 1. Vorstandes Herrn Zettner, von der Schützengesellschaft 1, wurde sein Nachfolger Herr Adam. Nach dessen Pensionierung wurde der Apotheker Herr Philip Fuchs 1. Vorstand der Schützengesellschaft 1. Der Schießbetrieb der Schützengesellschaft II spielte sich nach Aussagen unseres Informanten Georg Wagner so bis 1926 bei Köhler im Saal und auf dem Anger ab. Die Schießhalle wurde im gleichen Jahr in den Garten der Gastwirtschaft Ötter zur Stadt Bayreuth umgesetzt. Veranlasser dürfte Herr Andreas Müller (Oberlokführer) gewesen sein. Die Schützengesellschaft 1 war ebenfalls um die Errichtung eines Scharfschießstandes bemüht. Der 1. Vorsitzende Herr Apotheker Philip Fuchs trieb die Erhebungen voran. Bereits im Februar 1926 geht aus einem Schreiben der Betriebs- und Bauinspektion Hof hervor, dass die Errichtung eines Schießplatzes auf dem verlassenen Bahnkörper Pl. Nr. 167 1/2 der Steuergemeinde Neuenmarkt vorgesehen war. Aus dem Schreiben geht weiter hervor, dass die widerrufliche Genehmigung nur erteilt werden kann, wenn zur Sicherheit des Verkehrs, auf der Bahnlinie Neuenmarkt/Wbg. - Bayreuth, entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Außerdem müssen Pläne mit Genehmigung durch die zuständige Baupolizeibehörde vorliegen. Dieses Verlangen wurde erfüllt. Zur Finanzierung des Vorhabens wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Selbst Bittschreiben an die Hof- und Vermögensverwaltung s. k. H. des Kronprinzen von Bayern und an den Prinzen Alfons v. Bayern direkt wurden versandt, um Mittel für das Vorhaben zu erhalten. Leider wurde, wenn auch in aller Höflichkeit, diese Bitte abschlägig behandelt. Trotz aller finanziellen Probleme wagte man sich den Bau der Scharfschießanlage für Scheibenbüchsen auf 175 m, kk-Gewehre und Zimmerstutzen.

 

Aus Fragmenten der noch vorhandenen Unterlagen geht hervor, dass die Angebote der Ausschreibung für den Schießplatz bis zum 30. 9. 1926 vorzulegen waren. Den Zuschlag erhielt Max Hollweg. Die Baumaßnahmen müssen zügig vorangegangen sein, denn das Eröffnungsschießen, der wie sie sich damals nannte, „Schützengesellschaft Neuenmarkt", wurde bereits vom 14. bis 17. Mai 1927 durchgeführt. Bei dieser Veranstaltung setzte sich die Vorstandschaft der Gesellschaft wie folgt zusammen:

 

Vorstand Philip Fuchs

  1. Schützenmeister Gustl Krumpholz
  2. Schützenmeister Georg Götschel

Schriftführer Michael Helmreich Kassier Max Müller

 

In einer Liste sind im Mai 1927, 23 Mitglieder benannt, die sich in einer sogenannten „Freiwilligen Verpflichtungserklärung" zum Abbau der beim Schießhausbau entstandenen Schulden bereiterklärten. Man zahlte zu einem vierteljährlichen Beitrag von 2 RM und einen Sonderbeitrag nach den persönlichen Möglichkeiten. Dieser lag zwischen 3,- und 30,- RM, was einen Jahresbeitrag von 20,- bis 120,- RM ausmachte. Für die damalige Zeit sind derartige Ausgaben als sehr beachtlich zu bezeichnen. Der Sonderbeitrag wurde bis zur vollständigen Tilgung der Schulden geleistet.

 

Bereits im Juni 1927 wurde erneut ein Baugesuch über den Bau einer Wirtschaftsbaracke vorgelegt. Man dachte auch an das leibliche Wohl. Erneut mussten Mittel für diese Maßnahmen beschafft werden.

 

Nach einem Schreiben der Gebr. Maisel Export-Bierbrauerei in Bayreuth vom 26. Jan. 1928 war diese bereit, ein Darlehen in Höhe von 2000,- RM zur Verfügung zu stellen mit einem Zinssatz von 7%.

 

Nach der Aussage unseres Informanten Georg Wagner ist anzunehmen, dass die Schützengesellschaft II ihre Tätigkeit 1928 einstellte. Er durfte nach seiner Aussage der letzte Schützenkönig dort gewesen sein.

 

Die Schießanlage der Schützengesellschaft 1 wurde sehr gelobt. Die Schützengesellschaft II war nicht in der Lage gleichwertiges zu bieten, was wohl auch zur Auflösung führte. Es ist anzunehmen, dass ein Teil der Schützen der Schützengesellschaft II zur Schützengesellschaft 1 überwechselte. Der Mitgliederstand am 1. 12. 1933 betrug 55 Schützen.

 

Über den Schießbetrieb der folgenden Jahre bis zum Kriegsende 1945 ist nichts näher bekannt.

 

Unser Informant weiß nur noch zu berichten, dass nach Verzug des Herrn Philip Fuchs, Herr Max Müller aus Neüenmarkt Vorstand der Schützengesellschaft 1 war.

 

Langsam kehrte nach 1945 die Normalität wieder ein. Bereits 1947 wurde der Betriebsratsvorsitzende Herr Ernst Will, Zugschaffner bei der Reichsbahn durch Herrn Johänn Petzold, Reichsbahnobersekretär in Neuenmarkt zum Vereinsleiter des Reichsbahnsportvereins Neuenmarkt/kommisarischenWbg., wie der Verein benannt wurde, bestimmt. Bei dieser Gelegenheit wurde H. Will der Restbetrag der Vereinskasse in Höhe von 13,62 RM übergeben. Aus der Aussageerklärung des H. Will geht weiter hervor, dass die Schießblenden in den Nachkriegswirren gestohlen und Unterlagen möglicherweise vernichtet wurden. Nachdem die Anlagen teilweise abgebrochen und der seitliche Schutz zerstört waren, wurde von der Bahnmeisterei die Restanlagen der Blenden abgebrochen. Das Material, alte Schwellen und Schienen, wurden verkauft. Der Erlös wurde H. Will, der auch die Kasse führen musste, übergeben. Die noch vorhandenen Gebäude wurden ab 1. 11. 47 an eine Flüchtlingsfamilie vermietet. Die Einnahmen aus Miete mit dem Erlös aus dem Verkauf, abzüglich der Steuer und Versicherung betrugen 414,56 RM. Der nach der Währunrtsreform vorhandene Bestand des Vereins belief sich dann auf 20,70 DM. H. Will hatte die Anlage nach seiner Darlegung auch übernommen, um größeren Schaden abzuwenden, da auch Bestrebungen im Gange waren, die Anlage total zu beseitigen.

 

Über die Zeit von 1950 bis zur Neugründung des Eisenbahnsportvereines im Jahre 1956 ist nichts bekannt.

 

Am 11. 3. 56, 16 Uhr fand durch die Einberufer Schwab Erich und Hereth Hans die Gründungsversammlung des Eisenbahnersportvereines, Abteilung Schießen und Kegeln, statt. Anlässlich dieser Sitzung wurde bereits für den 13. 3. 56, 14 Uhr eine Besichtigung der Schießanlage vereinbart.

 

Bereits am B. 4. 56 wurde die 1. Mitgliederversammlung einberufen. Als Punkt 1 der Tagesordnung wurde die Instandsetzung des Schießhauses mit Schießanlage behandelt. Im Punkt 5 wurde bereits das 1. Schießen auf den 4. 6. 56 zur Kirchweih festgesetzt. Der neugegründete Verein war sehr aktiv. Im ersten Jahr traten dem Verein bereits 84 Mitglieder bei.

 

In der Chronologie der Kurzform sind wesentliche Daten in der Weiterentwicklung des 
Vereines aufgeführt:

1957 Planung der Kegelbahn eingereicht

1960 Fertigstellung Wirtschaftsraum, Schützenzimmer, Kegelbahn, Aborte und Küche

1962 Einbau der Kegelstellautomaten

1965 Planung des Wohnhauses

1967 Planung für den KK-Stand begonnen. Fertigstellung des Wohnhauses

1969 Gründung der Tennisabteilung

1970 Inbetriebnahme der Tennisplätze

1972 Fertigstellung des Schießstandes, Abnahme

1973 Jubiläumsschießen auf der neuen KK-Anlage

1977 Änderung der Schießstandüberdachung begonnen

1980 Fertigstellung der Schießstandüberdachung

1983 Umbau der sanitären Anlagen für Wirtschaft u. Kegelabteilung

1986 Umgestaltung des Schützenzimmers, Einbau eines Lagers

1988 Dach über 10 m-Stand ergänzt und Schallisolierung angebracht

1991 Kegelbahnaußenhaut erstellt und Dachplatten durch asbestfreie Platten ersetzt

1994 Anbau von 2 Kegelbahnen / Ausbau zur Vierbahnenanlage

 

Die Chronologie der Vorstände und Schützenmeister ab 1956 ist an anderer Stelle der Festschrift niedergeschrieben.Die Daten der Chronik entstammen dem Schreiben unseres Informanten Georg Wagner, einer Niederschrift des Herrn Ernst Will und Fragmenten aus früheren Vereinsunterlagen.

 

Der ESV Neuenmarkt mit seinen 3 Abteilungen erfreut sich großer Beliebtheit. Die Übereinstimmung der Abteilungen untereinander ist kooperativ und zeigt den sportlichen Geist innerhalb des Vereins.

Manfred Gagel, 1. Vorstand

 

Stand: 1995 (100-jähriges Vereinsjubiläum)